Erste Hilfe für ängstliche Hunde (Teil 1 von 3)

Was ist Angst überhaupt?

Angst ist eine Emotion und im angemessenen Maß erst einmal gesund. Sie warnt den Hund vor Gefahren und schützt ihn so vor Schaden. Ist die Angst deutlich übersteigert, wird es ungesund. Dies ist der Fall, wenn der Hund noch lange nach der ihn ängstigenden Situation im Gefühl der Angst bleibt. Hierbei ist der Hund meist deutlich in seiner Lebensqualität eingeschränkt.

Angst schützt vor Schaden – aber zu viel Angst ist schädlich

Im Gehirn des Hundes arbeiten das limbische System (das „Gefühlszentrum“) und die Großhirnrinde (der „rationale Teil“) immer im Austausch miteinander. Bei Angst oder starkem Stress wird dieser Austausch jedoch blockiert und das „Gefühlszentrum“ übernimmt. Damit der Hund nicht nur aus seiner Angst heraus agiert, ist es gut, ihn so weit wie möglich im „rationalen Teil“ des Gehirns zu halten. Dies erreichst Du z.B. durch ein „Sitz“ oder einem beliebigen anderen Signal, das Dein Hund schon sehr gut auch unter starker Ablenkung beherrscht.

Dieser Text ist für Dich gedacht, wenn Du Hilfestellung und unterstützende Maßnahmen im Umgang und Training mit Deinem ängstlichen oder unsicheren Hund suchst.

Hilfe für Deinen Ängstlichen oder unsicheren Hund

Was diese Artikelserie nicht bieten kann, ist eine umfassende Trainingsanleitung wie die Angst Deines Hundes „wegtrainiert“ wird. Dafür sind die einzelnen Mensch-Hund-Teams, die Gegebenheiten und der Ursprung der Ängstlichkeit Deines Hundes viel zu individuell. Ein Training gegen Ängstlichkeit und Unsicherheit sollte also immer passgenau auf Dich und Deinen Hund zugeschnitten sein. Diese Artikelserie unterstützt Dich dabei zu verstehen was Angst überhaupt ist, wie sie entstehen kann, welche unterstützenden Hilfsmittel es gibt und zeigt Dir Maßnahmen, mit denen Du Deinem Hund helfen kannst.

Selbstverständlich lassen sich die Begriffe Angst und Furcht fachlich korrekt voneinander unterscheiden. Aus Gründen der Verständlichkeit bleibe ich in diesem Text beim umgangssprachlichen Begriff Angst.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg mit Deinem (noch) ängstlichen oder unsicheren Hund!

Wie kann ich testen wie ängstlich mein Hund ist?

Wie stark die Angst Deines Hundes in den unterschiedlichen Situationen ausgeprägt ist, findest Du am besten heraus, indem Du lernst, seine Körpersprache und kleinen Signale zu „lesen“. Ein kleiner, ganz einfacher Test ist, ob Dein Hund noch Futter annehmen kann (das funktioniert natürlich nur für Hunde, die in der Entspannung gern Leckerchen nehmen). Verschmäht Dein Hund selbst sein liebstes Futter, um das er sich sonst reißt, ist der Stresspegel hoch und Dein Hund befindet sich in einem Bereich, in dem er nicht mehr lernen kann und sich schlecht fühlt.

Akute Stresssignale

  • Schuppenbildung
  • über die Lippen lecken
  • geweitete / aufgerissene Augen (so dass das Weiße sichtbar ist)
  • angelegte, nach hinten gezogene Ohren
  • (bis unter den Bauch) eingezogene Rute
  • Bellen / Winseln / Schreien
  • Zittern
  • sich kratzen
  • starkes Hecheln

Dauerhafte Stresssignale

  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall /Erbrechen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Nervosität / Ruhelosigkeit
  • extremes Benagen / Beknabbern (z.B. der Pfoten) bis hin zur Selbstverletzung

Beide Listen lassen sich natürlich noch stark erweitern. All diese Zeichen sollten immer im Gesamtbild betrachtet werden und auch die komplette Körpersprache des Hundes mit einbezogen werden (also nicht nur die Augen oder Ohren isoliert betrachten). Je nach Rasse sind selbst in der Entspannung die Ohren nach hinten gezogen und die Rute tiefer getragen (wie z.B. bei Windhunden). Es kommt also immer auf die gesamte Körpersprache im Vergleich zum entspannten Zustand an.

Wieso sind Hunde überhaupt ängstlich?

Ein Hund kann aus unterschiedlichen Gründen ängstlich reagieren, zum Beispiel weil er

  • schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten Situation oder mit Menschen generell gemacht hat
  • gesteigerte Ängstlichkeit schon vor der Geburt mitbekommen hat (genetisch oder durch erhöhten Stress der trächtigen Hündin)
  • zu wenig oder keine Erfahrung mit bestimmtenSituationen / Menschen / Gegenständen machen konnte
  • durch Fehlverknüpfungen gelernt hat sich vor etwas zu fürchten

Im nächsten Teil dieser Artikelserie geht es um folgende Themen:

  • Warum Angst sich ohne Training noch mehr ausbreiten kann
  • Welche Lösungsstrategien hat der Hund?
  • Wie kann ich meinem Hund schnell helfen?

Bild: Pixabay