Erste Hilfe für ängstliche Hunde (Teil 3 von 3)

Was hilft uns im Alltag?

Wenn Dein Hund dauergestresst ist, hilft oft eine allgemeine Reduzierung des Grundstresses. Das erreichst Du z.B. indem Du mit Deinem Hund lieber nur kurz rausgehst und erst einmal stressauslösende Situationen vermeidest. Für einige Hunde (z.B. solche, die nur leicht gestresst sind) kann dies allerdings genau der falsche Weg sein und Dein Hund lernt nicht, sich mit den angstauslösenden Szenarien auseinanderzusetzen und diese zu überwinden. Daher müssen diese Situationen natürlich später gezielt angegangen und trainiert werden – selbst wenn das Meiden solcher Situationen für euch eine gute Anfangsstrategie ist, um erst einmal „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen. Denn um die Angst zu lösen, muss man sich letztendlich der jeweiligen Situation stellen – ein dauerhaftes "Umschiffen" der Gefahr wird nie dazu führen, dass diese Situation nicht mehr als gefährlich angesehen wird.

Mein Mensch gibt mir Sicherheit

Eine weitere große Hilfe im Alltag ist es, wenn Dein Hund Dich als „Sicherheitspunkt“ versteht. Dass er also weiß, dass er bei Angst immer zu Dir kommen kann und Du ihm hilfst. Ziel ist, dass Dein Hund beim Fluchtimpuls zu Dir läuft anstatt wegzurennen. Der erste Schritt hierzu führt über klare Regeln.

Denn wenn Dein Hund genau weiß, was er darf und was nicht, hat er einen klaren Rahmen, in dem er sich bewegen darf – die Regeln bilden also eine Art orientierenden Fahrplan für euer gemeinsames Leben. Somit helfen eindeutige Regeln dabei Deinem Hund Sicherheit zu geben. Nur wenn Dein Hund das Gefühl hat, dass Du gut für ihn sorgen kannst und ihn souverän durch angsteinflößende Situationen bringen kannst, wird er sich in Gefahrensituationen an Dich wenden.

Klare Regeln und Rituale für mehr Sicherheit

Rituale sind ein weiterer Baustein, der ängstlichen Hunden eine gute Unterstützung bietet. Wenn der Tagesablauf immer ähnlich ist oder Du Deinem Hund bestimmte Situationen gut ankündigst, weiß er bereits was gleich kommt. Diese Vorhersagbarkeit vermittelt Sicherheit – sowohl für Dich als auch für Deinen Hund.

Zusätzlich ist für alle Hunde ein Ort der Ruhe wichtig – ein Ort an dem sie nicht gestört werden und an den sie sich zurückziehen können.

Gibt es wirksame Hilfsmittel?

Bei Hunden, die ihre ersten Lebenswochen mit ihrer Mutter als angenehm empfunden haben, wirkt Adaptil entspannend. Adaptil gibt es in unterschiedlichen Formen – ich nutze am liebsten das Spray. Das Spray enthält einen chemisch nachgebauten Duftstoff (Pheromon), das die Mutterhündin beim Säugen ihrer Welpen abgibt. Dieser Geruch kann auch dem erwachsenen Hund helfen, sich wohl und geborgen zu fühlen (sofern er bei der Mutterhündin keine schlechten Erfahrungen gemacht hat). Am besten testest Du zuerst, ob Dein Hund den Geruch mit etwas Angenehmen verbindet, indem Du es auf ein Tuch sprühst (nicht direkt in sein Körbchen) und es an einen Ort legst, den Dein Hund auch freiwillig gern aufsucht. Wichtig ist, dass Du ihn nicht dorthin schickst, damit er nicht gezwungen ist bei dem Tuch zu bleiben, falls es Unbehagen bei ihm auslöst. Wenn Du bemerkst, dass Dein Hund sich gern zu dem Geruch legt und er ihm hilft zu entspannen, ist Adaptil ein tolles unterstützendes Mittel für euch.

Einigen Hunden helfen enge Körperbandagen. Die gibt es entweder fertig zu kaufen mit dem Namen Thundershirt oder Anxiety Wrap. Es ist auch möglich, eine Körperbandage mit einem Schal oder einer breiten, elastischen Bandage selbst zu machen. Der leichte Druck auf den Körper hilft den Hunden sich selbst besser zu spüren und vermittelt ihnen ein Gefühl von Geborgenheit. Ob das etwas für Deinen Hund ist, musst Du ausprobieren; denn manche Hunde mögen das Gefühl von Enge am Körper gar nicht gern und reagieren eher noch gestresster.

Natürlich gibt es noch viele weitere Hilfsmittel, die gut helfen können – von Zylkene über verschiedene Futterergänzungsmittel bis hin zu Psychopharmaka. Was in eurem Fall helfen kann und was nicht ist sehr individuell und sollte jeweils gut mit allen Vor- und Nachteilen abgewogen werden.

Was kann ich noch machen?

Die Ernährung des Hundes spielt ebenfalls eine Rolle. So gibt es bestimmte Inhaltsstoffe, die die Aufnahme von wichtigen Stoffen blockieren und auch die Qualität des Futters und seine Verwertbarkeit tragen natürlich zum Wohlbefinden des Hundes bei.

Auch Schmerzen beeinflussen – wie bei uns Menschen – das Wohlbefinden. Bei dauerhaften oder immer mal wieder plötzlich auftretenden Schmerzen, kann der Hund ängstlich oder aggressiv reagieren, auch wenn das sonst nicht seiner normalen Reaktion entspricht. Ein*e gute*r Hundetrainer*in wird also auch immer diesen Aspekt mit abfragen und sich für die Krankengeschichte Deines Hundes interessieren.

Wie geht's weiter?

Wie Du bestimmt gemerkt hast, ist die Behandlung von Angst und den damit verbundenen Symptomen ein sehr umfassendes Thema. In diesem Text findest Du hoffentlich schon ein paar wertvolle Hilfsmittel und Tipps, die euren Alltag erleichtern. Ein gezieltes Training mit ängstlichen und unsicheren Hunden ist immer sehr individuell – dafür lassen sich keine allgemeingültigen Trainingstipps geben. Denn was für den einen Hund genau richtig ist, kann bei dem nächsten Hund eher schädlich sein, da er überfordert wird und nicht mehr lernen kann oder weil er längst soweit ist und dem furchteinflößenden Reiz nicht genügend ausgesetzt wird, um seine Angst zu überwinden.

Falls Du Dir hierbei Unterstützung wünschst, bin ich gerne für Dich da!